Biken mit Kindern

Text Doris und Josef Stadler Bild Andreas Meyer
Ratgeber

Von A bis Z

„Mamaaa, wann sind wir denn endlich da?“ … „Wie weit ist es denn noch?“ … „Ich kann nicht mehr…“
Oder „Wann kommt wieder eine Schanze?“ … „Die Abfahrt war cool, fahren wir das nochmal?“

Ob Kinder zur ersten oder zweiten Gruppe gehören, haben wir als Eltern größtenteils selbst in der Hand. Freilich ist es immer wieder eine Gratwanderung, aber es geht. Und zwar gut. Unsere beiden Kinder, Emil, 10 Jahre, und Leo, 7 Jahre, gehören eher zur zweiten Gruppe, obwohl auch uns Jammern und Schimpfen durchaus bekannt sind.

A wie angepasst

Viele Kinder sitzen auf einem viel zu großen und schweren Bike. Muss ja lange halten und der Kleine wächst ja noch. Ein fataler Fehler. Bei einem Rad, proportional umgerechnet zum Erwachsenen auf Größe und Gewicht, müsste ich ein 30 Kilogramm schweres Riesenrad fahren. Da würde niemand gerne drauf sitzen und Kinder verlieren sofort das Interesse am Radfahren. Verständlich.

B wie Bikepark

Ein besonderes Highlight ist natürlich der Besuch in einem Bikepark. Schanzen und enge Kurven, Singletrails – ein echtes Eldorado. Wenn man klein und wendig ist, fährt sich so was noch viel leichter. Und das Denken, was denn alles passieren könnte, überlässt man ruhig den Eltern.

D wie Dorf

Unser Dorf in einem Tal hat eine fünf Kilometer lange, ebene Runde, die wir mit drei Pausen begonnen haben. Inzwischen haben wir sie über das Tal und die Berghänge hinaus mountainbikemäßig erweitert. Auch Wege zu Freunden kann man mehr und mehr mit dem Bike zurücklegen. Gibt‘s was
Schöneres, als mit einer ganzen Bande Trails auszukundschaften?

Biken mit Kindern

E wie Erlebnis

Am Meer mit Rückenwind und Vollgas am Strand düsen, Möwen starten sehen, die über unsere Köpfe wegfliegen, die salzige Luft schmecken. Ein einmaliges Erlebnis, von dem unsere Kinder immer wieder gerne erzählen.

F wie Freunde

Letztes Jahr haben wir mit Freunden zusammen sogar einen viertägigen Fahrradurlaub gemacht; eine Erfahrung, die nach einer Wiederholung schreit. Wir sind von der Haustür weg gestartet. Beim Schnattern mit den Freunden und den kurzen Ausflüchten in den Wald, um ein paar Wurzelpassagen mitzunehmen, sind die Kilometer und Höhenmeter schnell vergessen.

G wie Goodie

In jede Tour Schmankerl einbauen ist enorm wichtig. Das kann ein Badestopp bei der Fahrt um den Chiemsee und am Schluss ein großes Eis sein, oder die Schifffahrt zurück zum Ausgangspunkt.

H wie Highlights

Als Emil fünf war, ist er ganz allein eine 38 Kilometer lange Tour gefahren, die auch durch ein Militärgebiet führte. Wir, mit vor Stolz geschwellter Brust, fragten ihn, was er denn da im Kindergarten erzählen würde, worauf er nur meinte: „Na, dass ich einen Panzer gesehen habe“ ...

K wie kinderfreundlich

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass „kinderfreundlich“, genau wie bei Wanderwegen, meist gleichbedeutend mit „stinklangweilig“ ist, und dass hier meist schnurgerade, asphaltierte Wege gemeint sind, die Kindern das Fahrradfahren eher verderben als schmackhaft machen.

M wie Mut

„Schaut euch die Abfahrt an, traut ihr euch?“ „Warum nicht?“ kommt von den beiden zurück. Na dann los. Wir schließen die Augen und hoffen, dass nichts passiert. Unten dann: „Das war ja Baby“.

N wie Natur

Im Frühjahr mit Dosensuchen das Taschengeld aufbessern: An Straßenrändern liegen oft eine Menge Pfanddosen von Umweltsündern. Die wiegen nichts und bringen 25 Cent das Stück. Und nebenbei säubert man die Natur.

P wie Pause

Das Gute bei Kindern ist, das Sie nicht „überpacen“ können. Das heißt, man braucht sich keine Sorgen zu machen, dass sie sich bis zum „Erbrechen“ auspowern. Ist die Energie zu Ende, machen sie automatisch eine Pause.

Biken mit Kindern

R wie reden

Eine komplette Tour kann nicht nur aus Highlights bestehen. Ein monotones Teilstück wird mit unseren selbstausgedachten „Willi“-Geschichten sehr gut überbrückt.

S wie Sicherheit

Ein gut sitzender Helm ist das A und O für eine sichere Tour. Mit Helm sollte man von Anfang an fahren. Die Kinder gewöhnen sich schnell daran und wenn man so sieht, welche Berge sie sich schon mit dem Bike hinunterstürzen ...

T wie Training

Viel Freude haben unsere Kinder nach wie vor beim Mountainbiketraining im Verein. Hier fahren sie wilde Runden und machen Techniktraining. Als sie kleiner waren, haben sie auch gerne an diversen Radrennen teilgenommen, inzwischen aber festgestellt, dass hier nur die Leistung zählt und übereifrige Eltern den Spaß verderben.

U wie Urlaub

Nachdem wir beide selbst sehr gerne auf dem Bike unterwegs sind, ist es uns immer wichtig, das Rad im Urlaub dabei zu haben. Und im Urlaub, da bringen wir die Kinder richtig auf den Geschmack.

V wie Verpflegung

Wenn unsere Kinder Durst oder Hunger bekommen, sind sie – wie viele andere Kinder auch – nicht mehr auszuhalten. Eine gefüllte Trinkflasche und ein kleiner Snack müssen immer mit, auch wenn‘s nur eine für uns vermeintlich winzige Tour ist.

W wie wichtig

Das Wichtigste ist Spaß, und zwar für alle. Auch wenn sich der Spaß in den ersten Jahren, wenn man hinter dem Laufrad her tuckert, für uns Eltern in Grenzen hält. Doch so schnell kann man kaum schauen, da sitzen die Kleinen besser auf dem Bike als man selbst.

Z wie Zeit zusammen

Viel zu schnell ist diese schöne Zeit, in der die Kinder es genießen zusammen mit der Familie etwas zu unternehmen, vorbei. Also raus und nutzen!

Alles in allem kennzeichnet eine Mischung aus Alltagsradeln und Highlights das Radalter zwischen sechs und zehn. Es lässt Vorfreude aufkommen auf das, was da noch kommen mag, wenn die Kids im Teenageralter so richtig Gas geben. Wahrscheinlich werden wir ihnen dann nur noch neidisch hinterherblicken können und sagen: “Wir können nicht mehr, fahrt bitte ein bisschen langsamer!“