Lenzerheide – Bike Must Do

Text Anna Weiß & Bild Stefan Schopf
Geschichten

Hochalpines Flair und viiiiieeeel Trail

Nicht erst seit der großartigen Stimmung auf dem TestRIDE und auch nicht seit der Schweizer CrossCountry-Weltmeister Nino Schurter nach seinem grandiosen WM-Sieg meinte, diese sei „die beste Weltmeisterschaft, die der Mountainbike-Sport je gesehen hat“, genießt Lenzerheide einen Ruf als «Top-Destination Mountainbike». Bisher kannte ich den Ort nur aus den TV-Übertragungen der CrossCountry- und Downhill-Weltmeisterschaften und -Worldcups. Das soll sich nun ändern.

Aus der MTB Region Arosa Lenzerheide

Am Abend kamen wir spät an und das Stillen des Reisehungers hatte oberste Priorität. So checkten wir zügig in der Revier Mountain Lodge ein. Die digitale Zukunft ist hier bereits Gegenwart. Es gibt keine Rezeption, den Check-in Vorgang erledigen wir bequem per Smartphone. Man möchte es bei aller Zukunftsmusik kaum glauben, doch im Restaurant des Hotels weht ein anderer Wind. Hier wird der avantgardistische Mitbegründer der Molekularküche, der Spanier Ferran Adrià, zitiert: Das wichtigste soziale Netzwerk der Welt sei nicht Facebook. Sondern Essen. So sitzen wir bei Steak, Couscous-Salat und Süßkartoffelpommes auch nicht allein am Ecktisch, sondern zusammen mit anderen Bikeverrückten an Longtables, wie sie gerade überall die hippen Metropolen von Kopenhagen bis Seoul erobern. Es dauert nicht lange, bis sich eine Diskussion über Lenkwinkel und Lieblingsspots entspinnt. Alleine, so viel ist sicher, bleibt hier keiner lang.

Trailperlen
Nach dem Frühstück packen wir rasch unsere Siebensachen und hasten zur Rothornbahn. Innerhalb weniger Minuten bringt uns die Luftseilbahn bis auf 2.865 Meter Höhe. Nur wenig Zeit bleibt unserem Guide Martin Osinga, sich vorzustellen. Martin ist Inhaber des Bike Shuttle Lenzerheide und Co-Gründer der Bikeschule Epic Bike. „Lenzerheide ist natürlich weltbekannt für seinen Bikepark. Aber die Region hat noch eine ganz andere Seite zu bieten, fernab der Lifte, dafür mit einer vollen Ladung Natur. Das Tolle am Shuttlen ist ja, dass wir mit unseren Gästen ganz ausgewählte Trailperlen rocken können. Und das auch zu den Zeiten, die am Berg einfach am schönsten sind: frühmorgens, spätabends oder mitunter auch nachts.“ Viel will er nicht verraten, aber es fallen unter anderem die Worte „Julierpass“ und „Welschtobel“. Dann wird er auf einmal geschäftig und zeigt zum gegenüberliegenden Piz Scalottas: „Da, schaut, da drüben steht ungefähr die Alphütte Fops.“ Wir schauen verdattert drein. „Kennt ihr nicht? Das ist die Hütte, von der Danny MacAskill im Video „Home of Trails“ einen Backflip landete!“ Nun fällt der Groschen! Und dann sind wir auch schon da. Und wohin wir auch schauen, nichts als Berge.
Nach einem Geröll-Stück auf dem neuen Trail, der den Spuren der originalen Bike Attack-Strecke vom Rothorn folgt, mittlerweile bekannt als “The dark side of the moon”, schießen wir durch die sogenannte Galerie. Danach entfaltet sich vor uns Mondlandschaft, in der, eingebettet wie ein Smaragd, der für den folgenden Trail namengebende Älplisee liegt. Highspeedzonen wechseln sich auf dem Älpliseetrail ab mit technischen Spitzkehren, mit teilweise fluffigen Kurven, mit steiniger Heide. Nach einer halben Stunde sind wir in Arosa angekommen und nehmen direkt die nächste Gondel zum Hörnligrat. An einigen bestimmten Tagen gibt es hier ein besonderes Spektakel: Die Hörnlibahn bringt Biker schon zum Sonnenaufgang auf den Gipfel. Ein Erlebnis, das auf der Bucket-List eines jeden Bikers stehen sollte! Genau wie unser nächstes Highlight: der neue „Hörnli-Trail“, der in Kürze offiziell eröffnet wird.

" Lenzerheide ist der perfekte Ausgangsort für Touren. Auf den Wegen gilt wie überall in Graubünden, bis auf wenige ausnahmen: Freie Fahrt für Biker. Ihr könnt euch vorstellen, wie kreativ man die Trails da miteinander verbinden kann, so dass am Ende des Tages ein wahres Trailfeuerwerk zusammenkommt!"
Martin Osinga, Inhaber des Bike Shuttle Lenzerheide und Co-Gründer der Bikeschule Epic Bike

Die „Mutter aller Enduro-Touren“
Die letzten Spatenstiche und Shaping-Feinarbeiten der Schweizer Trailbauspezialisten von Allegra am neuen Flowtrail sind gerade erst abgeschlossen, da können wir ihn schon unter die Stollen nehmen. Tatsächlich waren die ersten Trail-Tester die lokalen Kids. Ihr Fazit: Nochmal, nochmal! Auf den vielen fein geshapeten Kurven lassen sich die Kurvenskills verbessern und die atemberaubende Push-Action trainiert den kompletten Oberkörper. Gerne würden wir es den Kids nachmachen, aber der nächste Trail erwartet uns schon. Am Ende unserer Tagestour vom Weißhorn über die Ochsenalp nach Chur und schließlich über Brambrüesch nach Churwalden heißt es ein letztes Mal verschnaufen in der Heidbüelbahn. Dann geht es mit Aussicht auf Lenzerheide die Abfahrt von Scalottas über Sporz zurück zum Ausgangspunkt. Am Ende des Tages sollen 80 Kilometer und 5.730 Tiefenmeter auf unserem Tacho stehen. Ein Glück, dass nur 700 Höhenmeter aus eigener Kraft gekurbelt werden müssen. Obwohl, beinahe froh sind wir um die wenigen Höhenmeter. Sie erlauben unseren Bremsfingern kleine Verschnaufpausen. Mit jedem Trail werden wir mehr angefixt; vor allem der landschaftliche Abwechslungsreichtum der Strecken begeistert uns. Martin amüsiert sich über unsere Lobeshymnen auf die „Mutter aller Enduro-Touren“, die wir anfangs noch unbedarft als selbstbewusst-großspurige Ankündigung unseres Guides empfunden haben. Noch mehr Zahlen, denke ich mir in mich hineingrinsend: sechs Gipfel, zehn Bergbahnen. Die Singletrails und Freudenjauchzer hingegen: unzählbar.
„Das war erst der Auftakt“, meint Martin. „Lenzerheide ist der perfekte Ausgangsort für Touren nach Davos, nach St. Moritz oder auch Chur. Auf den Wegen gilt wie überall in Graubünden, bis auf wenige Ausnahmen: Freie Fahrt für Biker. Ihr könnt euch vorstellen, wie kreativ man die Trails da miteinander verbinden kann, so dass am Ende des Tages ein wahres Trailfeuerwerk zusammenkommt!“