DAV Mountainbike Projekt

Text Mirjam Milad Bild Andreas Meyer
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Bergsport Mountainbike nachhaltig in die Zukunft

Der Deutsche Alpenverein hat in zwei Modellregionen ein Pilotprojekt zu natur- und sozialverträglichem Mountainbiken gestartet. Im Fokus: gegenseitige Akzeptanz und Besucherlenkung über attraktive und gemeinsam genutzte Trails. Wir haben mit den Verantwortlichen Nicolas Gareis und Benjamin Trotter gesprochen.

DAV Mountainbike Projekt_Nicolas Gareis

Nicolas Gareis

DAV Mountainbike Projekt_Benjamin Trotter

Benjamin Trotter

Andreas Meyer: Im Projekt „Bergsport Mountainbike – nachhaltig in die Zukunft“ arbeitet ihr an Lenkungskonzepten für zwei Mountainbike Regionen: den Landkreis Bad Tölz Wolfratshausen und das Oberallgäu. Könnt ihr das Projekt kurz vorstellen?

Benjamin Trotter: Uns geht es vor allem darum, etwas zu schaffen, was von Dauer ist. In dem Fall das sozial- und naturverträgliche Mountainbiken zu etablieren. Das greifbare Ziel des Projekts ist es aber, eine Besucherlenkung über „Shared Trails“ zu erreichen.

Andreas Meyer: Warum habt ihr gerade diese Regionen gewählt? Warum haben sie Modellcharakter?

Benjamin Trotter: In diesen Regionen haben wir ähnliche Voraussetzungen, einerseits vom Gelände her, aber auch einen dringenden Handlungsbedarf, der durch den temporären Besucherstrom entsteht. Es sind aber noch andere Faktoren in die Auswahl mit eingeflossen.

Andreas Meyer: Wie geht ihr bei der Entwicklung der Konzepte vor? Auf welchen thematischen Pfeilern fußt das Konzept?

Benjamin Trotter: In unserem Projektplan haben wir verschiedene Etappenziele festgeschrieben. Dazu gehört z. B. die Klärung der Haftungsfrage. Wenn wir hier eine Lösung finden, schaffen wir die Gesprächsbereitschaft für spätere Punkte. Hier steht dann die gemeinsame Findung von Trails an. Der rote Faden ist aber, mit allen auf Augenhöhe, z. B. bei den runden Tischen, zu diskutieren.

Andreas Meyer: Welche Gründe sprechen in den Modellregionen für eine Lenkung? Wo macht eine Entlastung Sinn und warum?

Benjamin Trotter: An einem sonnigen Wochenende um München stehen schon alle morgens im Stau. All diese Leute findet man dann in den Bergen. Lenkungsmaßnahmen können dabei helfen, die Leute zu kanalisieren. Gerade wo es eng wird, braucht es Maßnahmen, damit keine Konflikte entstehen. Wie man den Konflikt letztendlich löst, ist aber von Weg zu Weg verschieden.

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Mirjam Milad: Ihr möchtet nicht über Verbote arbeiten, sondern setzt auf ein „Shared Trails“ Konzept. Wie könnt ihr trotzdem eine Lenkung erreichen?

Nicolas Gareis: Das stimmt, Verbote werden auch häufig gar nicht beachtet. Ganz ausschließen können wir sie nicht, wobei wir aber nicht diejenigen sind, die sie erteilen. Der Schlüssel zur Lenkung sind aber die Akzeptanz und die Attraktivität des Angebots. Wenn eine Regelung gut angenommen wird, festigt sie sich auch auf lange Sicht.

Mirjam Milad: Ein wichtiges Thema ist für euch die Haftungsfrage. Welche praktikablen Möglichkeiten seht ihr, die Grundstückseigentümer zukünftig von der Haftung im Falle eines Unfalls entlasten könnten?

Benjamin Trotter: Wir wollen beim Thema Haftung vor allem Klarheit schaffen und informieren. Es gibt hier viel Halbwissen und Sachverhalte, die man vom Hörensagen kennt. Ganz konkret gibt es die Möglichkeit, von Gemeindeseite aus eine Erweiterung der kommunalen Haftpflichtversicherung abzuschließen.Da könnten dann auch Wege, die über Privatgrund führen, mit abgedeckt sein.

Mirjam Milad: Was ist aus deiner Sicht die größte Herausforderung in deinem Projekt?

Benjamin Trotter: Wir haben sehr viele Interessensvertreter dabei. Alle möchten, dass ihre Wünsche im Projekt berücksichtigt werden. Und hier alles unter einen Hut zu bekommen, ist die große Herausforderung.

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Mirjam Milad: Und umgekehrt gefragt: Welche positiven Aspekte des Mountainbikens könnt ihr für euch nutzen? Worauf könnt ihr aufbauen?

Nicolas Gareis: Ein großer Vorteil ist, dass wir beide selbst mountainbiken. Dadurch hat man eine ganz andere Sicht auf viele Dinge. Das fängt schon damit an, wie ein Weg ausschauen sollte, damit er für Biker interessant ist. Aber eine gelungene Lenkung kommt durch ein attraktives Angebot zustande. Generell hilft uns natürlich, dass Mountainbiken an sich ein Sport ist, bei dem die Natur einen ganz großen Stellenwert hat. In unserer diesjährigen Mitgliederumfrage sagen 78 Prozent, dass das Naturerlebnis beim Biken für sie sehr wichtig ist.

Mirjam Milad: Was wünscht ihr euch von Mountainbikern, die allgemein in der Natur oder speziell in den Alpen unterwegs sind?

Nicolas Gareis: Das kann man vielleicht so runterbrechen, dass wir uns bewusst werden, welchen Beitrag wir selbst dazu leisten können, dass wir auch in 20 Jahren noch so biken können, wie wir es gerne möchten. Konkreter: Wie trägt mein Verhalten zur Zukunft des Bikens bei? Da gehört eine gute Fahrtechnik dazu, damit die Wege keinen Schaden nehmen. Aber gerade auch die soziale Komponente wird immer wichtiger. Respektiere ich Grenzen oder suche ich die Konfrontation?