Foto Tipps vom Profi

Text & Bild Stefan Schopf
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How to make good photos

Du bist mit den Grundlagen der Fotografie vertraut und verstehst mit deiner Kamera umzugehen? Trotzdem fehlt deinen Bildern das gewisse Etwas? In den folgenden Zeilen gibt dir Stefan, begnadeter Sportfotograf und selbst ambitionierter Mountainbiker, Tipps für drei typische Motive, um selbst Bilder wie die Profis schießen zu können.

Bild 1 Spiegelung und Vordergrund

Landschaft

Landschaften zu fotografieren klingt zunächst einfach, doch folgt nach der Tour im Angesicht eines großen Bildschirms rasch die Ernüchterung. Es beschleicht dich die Erkenntnis, Landschaftsfotografie bedeutet weitaus mehr als einfach nur den Auslöser zu drücken.

Stativ

Pflicht für ein perfektes Bild, robust und trotzdem leicht sollte es sein. Mitunter ist der Transport recht umständlich, doch bleibt es unerlässlich, um von den Lichtbedingungen unabhängig die nötige Verschlusszeit bei geringen ISO-Werten wählen zu können. Weiterer Vorteil: Viele Stative verfügen über eine Wasserwaage zum Ausrichten der Kamera, falls deine keine elektronische Wasserwaage integriert hat. Bei langen Belichtungszeiten empfiehlt es sich, den Selbstauslöser oder einen Fernauslöser zu nutzen, um unnötiges Verwackeln beim Auslösen der Kamera zu vermeiden.

Spannende Vordergründe (Bild 1)

Voraussetzung für ein spannendes Landschaftsfoto ist die Unterteilung des Motivs in Hintergrund, Mittelteil und Vordergrund. So kann sich der Betrachter im Bild orientieren und die räumliche Wirkung des Fotos wird unterstützt. Vor einem Bergpanorama bietet sich oftmals ein Bergsee oder Fluss an, um den Mittelteil zu füllen. Als Vordergrund eignen sich Steine, Wurzeln oder Moos in Nähe des Kamerastandpunkts.

Spiegelungen

Wenn du dich an einem Ort mit Gewässer befindest, dann achte auf die Spiegelungen der Umgebung auf der Wasseroberfläche. Oftmals lässt sich diese, nur durch eine kleine Änderungen des Kamerastandpunktes, super für dein Motiv nutzen.

Langzeitbelichtungen (Bild 2)

Eine besondere Ausstrahlungskraft bekommen Fotos durch bewegte Vorgänge. Flüsse, ziehende Wolken oder Spuren von Autolichtern lassen dein Foto bei längeren Belichtungszeiten bis hin zu mehrere Minuten lebhaft und dynamisch wirken. Um auch bei Tageslicht lange Belichtungszeiten realisieren zu können, bedarf es oft des Zusatzes eines Neutraldichtefilters. Das sind neutralgrau eingefärbte Gläser, die man simpel am Objektiv anschrauben kann. Sie verringern die Lichtmenge, die durch das Objektiv einfällt.

Bild 2: Langzeitbelichtung

Sonnenaufgang

Wer die besondere Lichtstimmung beim Sonnenaufgang fotografieren will, muss früh aus den Federn. Neben den bereits genannten Hinweisen zu Landschaftsbildern solltest du die folgenden Tipps beherzigen.

Zeit und Planung:

Informiere dich, wann und wo die Sonne aufgeht. Schon wenige Minuten, nachdem sich die Sonne blicken lässt, nimmt die rötliche Färbung des Himmels ab, weil das Sonnenlicht zu steil einfällt. Diverse Apps und Internetseiten geben Auskunft über die exakten Zeiten des Sonnenauf- bzw. -untergangs, den Sonnenstand und Einfallswinkel des Lichts. Damit lässt sich sehr gut planen.

Bild 3 Sonnenaufgang

Bild 4 Sonnenstern

Schließe die Blende (Bild 3)

Nicht nur, weil man durch eine geschlossene Blende mehr Tiefenschärfe erzeugt, sondern weil sich dadurch schöne Sonnensterne ergeben. Je nach optischem Aufbau des Objektivs und der Form und Anzahl der Blendenlamellen entstehen schöne Sonnensterne ab Blende 8 bis hin zur kleinstmöglichen Blende. In der Regel sind sie am schönsten, je weiter die Blende geschlossen ist.

Belichtungsreihen (Bild 4):

Da man beim Sonnenaufgang gegen die Sonne fotografieren muss, um die Sonne als Sonnenstern im Motiv zu haben, liegt der Großteil der auf dem Bild zu sehenden Landschaft im Schatten. Damit man auch Details im Schatten erkennen kann, bieten einige Kameras eine HDR-Funktion (High Dynamic Range), die große Helligkeitsunterschiede detailreich wiedergibt.

Bild 5: Froschperspektive

Bild 6: Belichtungszeit und Goldener Schnitt

Fahrfoto

Die professionelle Sportfotografie ist kostenintensiv, doch lassen sich dank Innovationen der Kameraindustrie auch mit günstigeren Digitalkameras schon sehr gute Fotoergebnisse erzielen. Neben dem technischen Know-how ist vor allem die Kreativität wichtig, um ein überzeugendes Sport-Motiv zu erhalten.

Die richtige Perspektive (Bild 5):

Zwar ist es bequem, das Foto von da aufzunehmen, wo man gerade steht, doch meist ist das nicht die vorteilhafteste Perspektive. Orientiere dich an deinem Fotospot! Laufe ein wenig herum und suche bewusst nach einer Position mit einer spannenden Perspektive. Oft reichen schon ein paar Schritte oder eine Erhöhung bzw. Vertiefung des Kamerastandpunkts. So finden sich beispielsweise Felsen, Bäume oder Wildblumen, zwischen denen man hindurch fotografieren kann.

Belichtungszeit (Bild 6):

Um den vorbeiheizenden Radfahrer adäquat abbilden zu können, bedarf es relativ kurzer Belichtungszeiten. Je nachdem wie schnell die Biker an dir vorbeifahren, sollten Belichtungszeiten kürzer als 1/800 Sekunde gewählt werden. Da man in der Regel in Kurven oder technischen Passagen langsamer fährt, bieten sich diese bei wenig Licht am Fotospots sehr an, da man längere Verschlusszeiten an der Kamera wählen kann, ohne eine Bewegungsunschärfe oder hohes Bildrauschen in Kauf nehmen zu müssen. Andererseits kann man durch etwas längere Belichtungszeiten auch tolle Effekte erzielen, wie etwa dynamische Mitzieher. Nach einer Weile hast du die Dauer der zu wählenden Belichtungszeit im Gefühl und kannst effektiv damit spielen.

Der goldene Schnitt

Platziere dein Hauptmotiv nicht immer in der Mitte! Eine zentrale Platzierung des Radfahrers wirkt häufig statisch und langweilig. Um einem Bild einen möglichst harmonischen Bildaufbau und eine weitere Gestaltungskomponente zu geben, empfiehlt es sich, den Goldenen Schnitt zu beachten. Achte dabei auf die Richtung wie der Fahrer in das Bild "ein- oder ausfährt". Als Annäherungswert bietet es sich an, das Bild in jeweils drei horizontale und vertikale Segmente zu unterteilen. In der Fotografie gibt es natürlich keine Regeln, die man nicht brechen darf. Allerdings solltest du sie kennen, bevor du sie brichst.

Sicherheit

Kein noch so aufregendes Bild ist einen Absturz wert. Deshalb achte, bevor du die Kamera benutzt, immer auf eine sichere Position und vergewissere dich, was der nächste Schritt für dich bedeuten könnte. Ein Stolperer über eine Wurzel ins weiche Gras wäre ein Szenario mit wenig fatalen Folgen. You know what I mean?
Ich hoffe, dir mit meinen Tipps ein wenig Unterstützung gegeben zu haben und wünsche viel Erfolg beim Anwenden! In diesem Sinne: "Übung macht den Meister!"

"Morgenstund hat Gold im Mund! Für besondere Lichtstimmungen muss man früh aus den Federn. "
Stefan Schopf, Freier Fotograf bei mtb travel