Kitzsteinhorn im Sommer

Text Hannah Röther & Bild Stefan Schopf
Geschichten

Biken in Zell am See Kaprun

Das Kitzsteinhorn mit seinem Gletscher ist ein weltberühmter Wintersport-Berg. Dass sich dort auch erstklassige Trails verbergen, ist noch fast ein Geheimtipp.

Aus der Mountainbike Region Zell am See – Kaprun

„Nur noch einen Moment“

Rufe ich meinem Freund zu, der jetzt endlich los will. Wir sind auf der Aussichtsplattform am Gipfel des Kitzsteinhorns in 3.029 Metern Höhe und ich kann mich einfach nicht losreißen. Wie angewurzelt stehe ich am Gelände und staune. Einfach nur sehen – das kann ich hier oben stundenlang. Der Blick schweift tief in die Hohen Tauern hinein, wo dank des Nationalparks keine Spuren menschlicher Besiedlung die Unberührtheit der Bergwelt stören. So müssen sich Bergsteiger auf dem Dach der Welt fühlen. Na gut, die Hohen Tauern sind nicht der Himalaya, und dennoch – diese Höhe ist selbst für die Alpen besonders. Man steht nicht alle Tage so weit oben, dass selbst im Sommer der Schnee in der Sonne glitzert und sich die Luft bereits ungewohnt dünn in der Lunge anfühlt. Um sich einfach mal wieder der Schönheit der Welt bewusst zu werden, reicht es, auf einen hohen Berg zu steigen.

1.259 Höhenmeter

Damit kann ich meinem Freund aber gerade nicht kommen. Schließlich sind wir nicht wegen der Romantik hier, sondern um zu biken. Unsere E-MTBs warten unten beim Alpincenter, wo wir die Gipfelbahn genommen haben. Während wir uns mit Aussicht und Schokoriegeln füttern, dürfen sie an der Ladestation ihre Akkus füllen. Denn die sind nach unserem Uphill restlos leer: 1.259 Höhenmeter haben wir von unserem Hotel, dem Kaprunerhof, bis zum Alpincenter zurückgelegt. Wir hätten auch die Gondel nehmen können, aber für epische Anstiege durch die faszinierende Landschaft wurden E-MTBs schließlich erfunden. Und dank der Ladestation können wir sicher gehen, auch noch die Gegenanstiege bei der Abfahrt meistern zu können.

Erst knackige Anstiege durch die imposante Bergwelt des Kitzsteinhorns rauf, dann auf epischen Trails wieder hinunter.

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Über den Maiskogel zurück nach Kaprun. So fühlt sich Biken an.

Wer das Wetter nicht scheut, der erlebt am Berg die eindrücklichsten Momente

Noch ein paar Höhenmeter, dann durchbrechen wir die Wolkendecke

Ein filmreifes Trail-Trio

Beim Alpincenter startet der hochalpine Geißstein-Trail. Er ist überwiegend naturbelassen und schlängelt sich verspielt durch die vom Gletscher geschliffenen Steinformationen. Flowige Kurven vor dem imposanten Geißstein – es wirkt fast ein bisschen wie in einem dieser Mountainbike-Filme, die doch immer am anderen Ende der Welt gedreht werden. Angespornt durch die filmreife Kulisse wachsen wir über uns hinaus, jagen uns gegenseitig hinunter und feuern uns immer wieder an. Bei der Mittelstation warten nun zwei Möglichkeiten: entweder der technisch anspruchsvolle Wüstlau-Trail oder der einfachere Bachler-Trail, der über den Maiskogel zurück nach Kaprun führt. Wir entschieden uns für die zweite Variante – der nun zunächst anstehende Uphill ist für uns schließlich ein Kinderspiel.

Mountainbike-Geschichte(n)

Die nächsten Tage lassen wir noch gemütlicher angehen. Denn auch wenn ich am liebsten wieder hoch hinaus zum Kitzsteinhorn fahren würde – es gibt ja noch viel mehr zu sehen. Da wären zum Beispiel die K1 Weltcup-Runde, die teilweise über die Strecke des legendären CrossCountry-Worldcups verläuft und der lange Anstieg zum 360°-Panoramagipfel Hundstein, wo man mit unverdecktem Blick auf die weißen Gipfel der Hohen Tauern und die schroffen Flanken des Hochkönigs schauen kann. Oder der Zeller See, den man auf einer gemütlichen Tour umrunden kann, um anschließend noch reinzuspringen. Oder die Sigmund Thun-Klamm, die man an einem Bike-Pausentag durchwandern kann. Damit am nächsten Tag wieder genug Power in Akku und Beinen ist, um wieder nach oben zu fahren – so hoch wie es eben geht. Dazu hat man schließlich E-Mountainbikes. 

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