Im Montafon mit dem MTB

Text Norman Bielig & Bild Andreas Meyer
Geschichten

Hier gibt es unendlich viel zu entdecken

Im Montafon ist man sich der eigenen Kultur und Tradition in besonderem Maße bewusst. Schließlich kann die Vorarlberger Region bereits auf eine 5.000-jährige Besiedlungsgeschichte zurückblicken. Im Friegawald am Bartholomäberg finden sich Überreste einer mächtigen, bronzezeitlichen Burganlage.

So viel Geschichte an einem Ort

Auch die älteste Barockkirche des Tals findet sich hier, ebenso wie eine längst stillgelegte Erzbergwerkanlage, die noch immer Besuchern zugänglich ist. Doch wenden wir uns der Gegenwart zu und auch in dieser beginnen wir am Bartholomäberg. Eignet er sich doch perfekt, um sich ganz auf das Montafon, seine Kultur, Geschichte und auch Kulinarik einzustellen.

Aus der Bike Urlaub im Montafon

Rund um den Itonskopf

Die Tour rund um den Itonskopf, so heißt der Gipfel des Bartholomäbergs, ist trailreich und doch noch nicht zu anspruchsvoll für ein erlebnisreiches Warmfahren. Der Anstieg zum Traileinstieg lässt sich gut pedalieren – lediglich das Alpengasthaus Rellseck lassen wir vorerst schweren Herzens links liegen. Nach etwa 500 Höhenmetern erreichen wir einen Sattel, von dem aus wir bereits bis zum Arlbergpass blicken können. Die Alpe Latons ist unser erstes Zwischenziel knapp 150 Höhenmeter unterhalb des Sattels. Typisch für die Region entsteht hier der Montafoner Sura Kees – ein Sauermilchkäse. Er ist fettarm, dafür aber äußerst eiweißreich. Während der Habsburger Zeit im 13. Jahrhundert, als die Montafoner Bauern gezwungen waren, Butter und Butterschmalz an die Obrigkeit abzuliefern, entwickelte sich die spezielle Käsesorte, bei deren Herstellung beides entstand. Gut genährt erreichen wir 20 Minuten später, an einem weiteren kleinen Sattel, den Trail rund um den Itonskopf. Auf der Höhe wellig und anschließend flowig zieht er sich um den Berg. Am Trailende angekommen folgen wir dem Wegweiser in Richtung Fritzensee und treffen auf eine Sonderform der Almlandschaft, die das gesamte Montafon prägt. Maiensäß wird sie genannt – es handelt sich dabei um eine gerodete Fläche, meist auf einer Höhe zwischen 1.200 und 1.600 Meter, also noch unterhalb der Baumgrenze. Dazu gehörten meist ein kleines Haus und ein Stall, welche als Ensemble dorfähnliche Strukturen, meist sogar mit Kirche, aufweisen. Die kleinen Hütten hier um den Fritzensee können zum Teil von Touristen gemietet werden – und bieten einen Aufenthalt mitten in der Natur mit traumhaften Panoramablicken über Silvretta und Zimba. Am See ruhen wir uns aus – ein Floß liegt bereit für eine ursprüngliche Art des Stand Up-Paddlings, die auch wir versuchen. Leider unterschätzen wir wohl unser Gewicht und mehr und mehr Wasser fließt auf unser Floß, bis es sich schließlich soweit neigt, dass wir uns ganz erfrischen – wenn auch ungewollt.Um wieder warm zu werden, radeln wir in der letzten Sonne des Tages weiter zum Berggasthof Rellseck – und dieses Mal halten wir auch an. Gegenüber liegt die Zimba, die höchste Erhebung der Vandanser Steinwand im Rätikon. In der Region berühmt ist die Zimba besonders wegen ihrer Ähnlichkeit mit einer Schweizer Ikone – deshalb wird sie auch liebevoll als das „Montafoner Matterhorn“ bezeichnet. Wir haben Glück, denn heute geht die Sonne direkt am Westgrat der Zimba unter – ein spektakulärer Anblick.

Montafoner Sura Kees.

42 Mountainbike-Routen bieten mehr Abwechslung, als man in einer Woche Bike-Urlaub erleben kann.

Finde deine Route! Möglichkeiten gibt es genügend.

Martina und Raimund führen die urig-gemütliche Verbellaalpe.

Bike Urlaub im Montafon 67

Zum Nachmachen nicht empfohlen: Eine Pause am Fritzensee lohnt sich jedoch immer.

Bike Urlaub im Montafon 46

Der Bartholomärberg: perfekt, um sich mit einer Tour auf das Montafon, seine Kultur, Kulinarik und Geschichte einzustellen.

"Das ist dann wohl der Moment, wo man sich aufhört zu fragen, warum man mit einem Rad in die Berge fährt. Manchmal braucht es eben keine Erklärung - der Augenblick genügt."

In hochalpinen Gefilden

Das Thema Genuss und Kulinarik nimmt man ernst im Montafon; nicht nur auf den Alpen, in den Höhenlagen. Nein, auch im Tal. So sitzen wir im Garten des Alpenhotel Montafon beim ausgiebigen Frühstück mit Blick auf den Bartholomäberg und das Hochjoch. Die Hochjochbahn befördert im Sommer übrigens auch Mountainbikes. Oben an der Bergstation erwartet Biker schließlich nicht nur ein unglaublicher Ausblick, sondern auch das Bergsportzentrum mit Einstieg in einen flowigen Trail. Ein Pumptrack bei der Hochjochbahn rundet das Bikeangebot ab. Geleitet werden geführte Mountainbiketouren oft von Markus Fessler-Jenny. Markus ist Bikeguide und quasi der sportliche Tausendsassa im Team des Montafon Tourismus, für den er seit 13 Jahren tätig ist. Heute führt er uns zur Neuen Heilbronner Hütte im Verwall. Den Weg vorbei am Stausee Kops bewältigen wir heute mit dem E-Mountainbike. Die Illwerke, der Betreiber des Wasserkraftwerkes dieses Stausees, hat bis zum See eine asphaltierte Straße angelegt. Schmal und sehr angenehm für den Aufstieg schlängelt sich diese durch dichten, sattgrünen Wald. Von Markus erfahren wir, dass sich das Montafon auf Aktivtouristen fokussiert; auf Menschen, die Natur und Kultur einer Region sportlich erfahren möchten, beispielsweise mit dem E-Bike. „Wir sind eine Region für aktive Genießer und mit dem Verleih und Guiding können wir den Sport richtig pushen“, erzählt uns Markus begeistert. Über ein Kooperationssystem können die Gäste die leeren Akkus der geliehenen E-Bikes an zahlreichen Restaurants, Almen und Unterkünften gegen volle wechseln.

Die Heilbronner Hütte

Zur Heilbronner Hütte, vorbei an der malerisch gelegenen Verbellaalpe, eröffnet sich uns ein kleines Paradies. Der letzte Anstieg hat es allerdings in sich und so freuen wir uns auf die kleine Kneippanlage direkt neben der DAV-Hütte, die als beliebte Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeit auf der populären Transalp-Strecke Oberstdorf-Gardasee liegt. Bei Kaffee und Kuchen sitzen wir auf der Terrasse mit Hüttenwirt Fredi Immler. Der 70-Jährige ist ein sportliches Multitalent und führt im Winter mit seiner Frau eine Skischule. Gerade als er zu einer weiteren Berggeschichte ausholt, kommen Angler von den nahegelegenen Scheidseen mit ihrem Fang hinauf. Regelmäßig setzen sie hier Regenbogenforellen aus einer Zucht im Tal ein, um vor dieser alpinen Kulisse ihrem Hobby zu frönen. Das ist dann wohl der Moment, wo man sich aufhört zu fragen, warum man mit einem Rad in die Berge fährt. Manchmal braucht es eben keine Erklärung – der Augenblick genügt. 

"Das Montafon ist meine Heimat! Ich freue mich immer, wenn ich wieder nach Hause komme. Hier fühle ich mich einfach wohl. Im Silvrettagebiet entdecke ich dabei immer wieder neue, schöne Plätze. "
Daniel Zugg, Profi-Skibergsteiger

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