Hotelier Silvio Rigatti im Interview – Santa Lucia

Interview Mirjam Milad Bild Andreas Meyer
Geschichten

Hotelier aus Leidenschaft

Silvio Rigatti führt das AktivHotel SantaLucia in Torbole am Gardasee. Im Interview erzählt er über die Geschichte des Hotels und worauf es ihm bei seinem Beruf ankommt.

Hotelier Silvio Rigatti im Interview - Santa Lucia Lage

Mirjam Milad: Seit wann bist du Hotelier?

Silvio Rigatti: Ich bin seit 29 Jahren Hotelier. An meinem 20. Geburtstag habe ich mein erstes Hotel eröffnet, das war in Nago, da waren wir auf Motorradfahrer spezialisiert. Ich hatte wenig Erfahrung, aber schlussendlich Erfolg. Auch weil ich in den Tourismusverband gegangen bin, auf Messen in Deutschland war und mich sehr mit der Spezialisierung auf Sportler beschäftigt habe.

Mirjam Milad: War das schon immer ein Traum von dir?

Silvio Rigatti: Ja. Mein Papa wollte schon 1960 ein Hotel haben und wir hatten ein Grundstück, auf dem man ein Hotel bauen konnte. Ich war der jüngste von drei Geschwistern und ich habe gesagt: Ich mach das. Als ich etwas älter war, habe ich dann in der Hotellerie gelernt und gearbeitet. Und als ich 20 war, habe ich dann unser Hotel aufgemacht. Mit vielen Schulden, aber ich habe trotzdem weitergemacht und alles ist gut gegangen. Immer mehr Touristen kamen an den Gardasee, es gab immer mehr gute Produkte und eine immer bessere Qualität. Gott sei Dank haben wir weitergemacht.

Mirjam Milad: Wann ging es mit dem SantaLucia los?

Silvio Rigatti: Das Hotel SantaLucia habe ich 2007 gekauft, die erste Saison war 2008. Das Hotel wurde schon 1957 erbaut, es war eins der ersten Hotels in Torbole. Die Eigentümer haben mich gefragt, ob ich das Hotel kaufen möchte und das habe ich gerne gemacht, weil das Hotel erst 2006 total renoviert und vergrößert wurde. Trotzdem habe ich schon 2009 sofort weitere Renovierungen durchgeführt und alles auf Fahrradfahrer spezialisiert.

Hotelier Silvio Rigatti im Interview - Santa Lucia 25
"Wenn wir mit dem Rad unterwegs sind, sind wir alle Gleich. Dadurch kenne ich auch unsere Gäste sehr gut. Bei uns sind die Gäste nicht nur Gäste, sie sind Freunde."
Silvio Rigatti

Mirjam Milad: Was ist wichtig, um ein Bikehotel zu führen?

Silvio Rigatti: Man muss selbst Biker sein. Wir müssen verstehen, was ein Biker braucht. Wir stellen jeden Tag einen kompetenten Bikeguide zur Verfügung. Wir haben zwei Bike-Keller, eine große, gut ausgestattete Werkstatt, einen Bike-Waschplatz, einen Wäscheservice und ein gutes Frühstück. Nach dem Biken kann man eine gute Pasta oder Lasagne bei uns essen und wir haben einen kleinen, aber feinen Wellnessbereich. Ich gehe gerne mit den Gästen auf Tour, egal, ob mit dem Rennrad oder Mountainbike. Denn wenn wir mit dem Rad unterwegs sind, sind wir alle gleich. Dadurch kenne ich auch unsere Gäste sehr gut. Bei uns sind die Gäste nicht nur Gäste, sie sind Freunde.

Mirjam Milad: Was ist dein Credo?

Silvio Rigatti: Es ist besser zu überraschen als zu enttäuschen. Wir verraten nicht alles im Vorfeld, was wir zu bieten haben. Wir wollen die Leute immer auch noch überraschen können – und begeistern.

Mirjam Milad: Du hast viele Radreisen in der ganzen Welt unternommen – was hast du dabei für dich und deine Arbeit mitgenommen?

Silvio Rigatti: Ich mache gerne hin und wieder solche Reisen und nehme dann auch Freunde und Gäste mit. Zum Beispiel nach Kuba oder Thailand. Aber ich bin auch für mich unterwegs: Letztes Jahr im September bin ich den Jakobsweg mit dem Rennrad gefahren. Ich lerne unterwegs. Ich versuche immer Verbesserungen für mein Hotel und meine Gäste mitzunehmen. Ob im Hinblick auf das Tourenangebot, das Frühstück oder den Service.

Mirjam Milad: Was ist deine Vision für die nächsten Jahre?

Silvio Rigatti: E Biker werden immer wichtiger. Viele machen ihre ersten Erfahrungen auf dem Fahrrad mit dem E-Bike oder haben wenig Erfahrung in den Bergen. Hier müssen wir noch mehr Service bieten, mehr Trails, mehr Tracks, mehr Guiding. Ich glaube, immer mehr Leute wollen im Urlaub aktiv sein. Egal wie. Immer mehr Menschen verstehen, wie wichtig es ist, fit und gesund zu sein.

Hotelier Silvio Rigatti im Interview - Santa Lucia 3

Mirjam Milad: Bei dir sind immer wieder Persönlichkeiten aus der Branche und Szene zu Gast – an wen erinnerst du dich ganz besonders gern zurück?

Silvio Rigatti: Ich arbeite mit vielen besonderen und berühmten Personen zusammen, wie Uli Stanciu, Hans Rey oder Alessandro Bertollini. Und ich versuche immer dazuzulernen. Ich gebe alles für die Biker. Zum Beispiel kommt die italienische Rad-Nationalmannschaft immer wieder zu uns zum Trainieren für die Weltmeisterschaft. Diese Leute sind für mich sehr wichtig, weil sie mich inspirieren, Dinge besser zu machen. Ich versuche immer, etwas zu verbessern, mich noch weiter zu spezialisieren.

Mirjam Milad: Du bist auch Vorsitzender vom Verband Bike Garda Trentino. Wofür setzt ihr euch ein?

Silvio Rigatti: In den letzten Jahren stand das Thema Wandern und Biken im Vordergrund. Vertreter der Wanderer wollten alle Strecken für Biker sperren, aber wir Hoteliers, Bikeguides, Bikeschulen und Bikehändler wollten dies nicht zulassen und haben den Interessensverband mit 25 Personen gegründet. Gemeinsam haben wir Lösungen erarbeitet. Nur wenige Trails wurden gesperrt und nur dort, wo parallel ein anderer fahrbarer Weg war. Dadurch haben wir die Qualität sowohl für Biker als auch für Fußgänger verbessert. Wir reden mit dem regionalen Alpenverein und mit der Gemeinde, welche Möglichkeiten es gibt und entscheiden gemeinsam an einem Tisch.

Mirjam Milad: Wann bist du zufrieden?

Silvio Rigatti: Wenn die Gäste zufrieden sind. Wenn die Leute von unseren Touren begeistert sind. Die Gäste investieren Geld, aber sie investieren auch Zeit. Also machen wir alles, was wir können, damit niemand enttäuscht ist.