Bike24 in Dresden

Text Holger Schaarschmidt Bild Stefan Schopf
Geschichten

Ein Blick hinter die Kulissen des Online Versenders

Zugeben, wer an Dresden denkt, wird die sächsische Metropole nicht sofort mit Mountainbiken in Verbindung bringen. Eher mit gemütlichen Radtouren entlang des Elbradwegs hinein in die Sächsische Schweiz. Oder mit Trekkingrad Routen, die dem Lauf des mächtigen Stroms nach Norden folgen – bis Meißen oder gar bis zu dessen Mündung in die Nordsee. Doch ein genauerer Blick lohnt! Sowohl in der hippen Neustadt als auch im barocken Ambiente der Altstadt sind Fahrräder modisches Statement, Sportgerät oder schlichtweg alltägliches Transportmittel. Nur wenige Minuten trennen Mountainbiker von den Trails an den Elbhängen. Das sächsische Elbflorenz ist umgeben von Mountainbike-Revieren und trägt verdammt viel Radsport im Herzen, wovon wir uns bei einem Besuch bei Bike24 selbst überzeugen konnten.

Die Gründung von Bike24

Andrés Martin-Birner und Lars Witt gründeten Bike24 im Jahr 2001. Rasch wurde aus dem spezialisierten Online Händler für Radsport und Triathlon ein E Commerce Unternehmen von internationaler Bedeutung. Die wirtschaftlichen Erfolge geben den Gründern, den Partnern und den über 300 motivierten Mitarbeitern recht. Das Credo: Stetiges Wachstum bei hoher Qualität der Leistungen. Mit Expertise zum Thema Fahrrad, Triathlon und artverwandten Outdoor-Sportarten; mit ihrem eigenen Stil und Dresdner Charakter möchten sie ihren durchaus technisch interessierten und versierten Kunden den bestmöglichen Service bieten. Die vielen Stammkunden des Unternehmens haben das wohl ebenfalls erkannt. Florian Schön, Marketing-Manager bei Bike24, ist unter Kollegen dafür bekannt, verdammt schnell und stylisch in die Pedale zu treten. Heute hat er sich einen ganzen Tag Zeit genommen, um uns das Unternehmen Bike24 vorzustellen!

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Florian Schön, Marketing-Manager bei Bike24, stellt uns das Unternehmen vor.

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Bike24 Ladengeschäft

Nah am Kunden sein, die Leidenschaft fürs Biken weitergeben und die Leute einfach mal mit raus nehmen; auf eine Runde in der Heide – das war stets die Intention der beiden Ladengeschäfte von Bike24 in Dresdens angesagter Neustadt. Nur fünf Minuten entfernt liegt das Mountainbike-Revier. Noch zweifeln wir – denn wenn man aus den Fenstern des geschichtsträchtigen Gebäudes schaut, in dem einst der Schriftsteller Erich Kästner lebte, später ein Sportmarkt entstand und die prunkvolle Treppe inmitten von Fahrradmaterial noch den Charme der Jugendstilzeit ausstrahlt, erkennt man deutlich die Züge der Großstadt. Wo soll man hier bitte mountainbiken? „Dreimal wöchentlich geht es vom Laden in der Königsbrücker Straße 38 in die Dresdner Heide“, verkünden die Mitarbeiter. Bei einer Probefahrt können sich Kunden dabei auch gleich von den Qualitäten des Bikes überzeugen. „Eine Testrad-Flotte, vom E Bike übers Trekkingrad bis zu den ganz fetten Buden, steht zur Verfügung. Viele Teilnehmer nutzen die Gelegenheit, um zur Abstimmung ihrer Bikes die Tipps der Profis zu bekommen oder schlichtweg die Heimat näher kennenzulernen.
Zum Team von Bike24 gehören leidenschaftliche Biker, die teils das Extreme suchen; die Enduro-Spezialisten sind oder mit dem Rennrad Kilometer fressen wie andere mit dem Auto. Obendrein sind sie Koryphäen in der Werkstatt, die zwar vielleicht noch nicht an Freiherr von Drais' Holzfahrrad rumschraubten, aber sicher noch blind die Mag 10 und 21 von Rock Shox auseinander- und sogar gewartet wieder zusammenbauen können.
Wie auch in der ersten Bike24 Filiale in Dresden-Löbtau, erhält man hier nicht nur fachliche Beratung, sondern in den Markenwelten auch einen kleinen Überblick über das Sortiment. Man kann hier die online bestellten Bikes abholen, einstellen und per „Body Geometry Fitting“ anpassen – oder ganz einfach sein kaputtes Fahrrad reparieren lassen. Hin und wieder finden sich hier Schnäppchen, die selbst den Online-Kunden entgehen.

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Dreimal wöchentlich geht es vom Laden in der Königsbrücker Straße 38 in die Dresdner Heide.

Das Herz von Bike24

Das Herz von Bike24 pulsiert in der Breitscheidstraße 40, im Mitarbeiter-Slang nur die B40 genannt. Hier befinden sich Verwaltung, Einkauf, Lager und Versand. Florian führt uns zunächst durch die Flure des Bürokomplexes. Es geht geschäftig zu hinter den Türen: Backoffice, Service, Einkauf, Produktpflege, IT, Marketing, Buchhaltung und Personalmanagement sind hier vereint. Produktmanager verhandeln mit Herstellern, sind neuen Produkten und Marken auf der Spur und korrespondieren mit den großen Marken und kleinen Spezialanbietern. Im Service qualmen die Tasten und Ohren der Mitarbeiter. Mit Engelsgeduld werden Kundenanfragen beantwortet. In einem Gang hört man das Pingpong eines Tischtennisballs, trappelnde Füße und Stimmengewirr. „Hin und wieder muss man vom Arbeitsplatz weg, um kurz abzuschalten und zu regenerieren“, meinen die Jungs an der Tischtennisplatte gut gelaunt.

Service

Florian stellt uns den technischen Service vor. Nach Fachbereichen unterteilte Teams bearbeiten hier Kundenanliegen. Es wird nie langweilig. Man berät zum Kauf von Komplettbikes und beantwortet Anfragen, die vom Bestellstatus über Produktinformationen, die Kompatibilität von verschiedenen Einbaustandards bis hin zu konkreten Informationen zu Umbaumaßnahmen und Veränderungen am Bike reichen. Alternativprodukte werden empfohlen und, wenn einmal der passende Rat fehlt, Produkte aus der Versandabteilung geordert und getestet. So wächst neben so manchem Bildschirm ein mehr oder minder großer Haufen an Bike Parts. Das zehnköpfige Team vom technischen Service versucht, jeder Frage auf den Grund zu gehen, auch aus eigenem Interesse – denn in der Freizeit bewegt man sich zwischen Triathlon und Downhill, hat Bock auf Biken und kennt sich, nicht zuletzt deswegen, sehr gut mit der Materie aus. Ferner werden Reklamationen bearbeitet, Schadensanalysen nach Stürzen und Rahmenbrüchen durchgeführt und anhand von Bildern und Videos auf Plausibilität geprüft. „Leider gibt es auch immer wieder typische Schäden, die sich vermeiden ließen und vom geschulten Auge schnell erkannt werden“, schmunzelt Florian. Trotzdem versucht man stets, den Kunden zufrieden zu stellen.

In den umliegenden Büros bearbeiten weitere 30 Service-Mitarbeiter vor allem Fragen zu Bestellstatus, Passformen, Konfektionsgrößen und anderen Belangen der Kunden. Trotz eines hohen Anteils an Textilien, Schuhen und anderen von einer Passform abhängigen Artikeln ist die Retourenrate vergleichsweise gering.

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Weniger als ein Prozent der versendeten Räder werden beanstandet. Auch die sorgfältige Verpackung ist dafür verantwortlich.

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Das Logistikzentrum

Florian scheint jeden Namen im Betrieb zu kennen, in dem ein freundliches und offenes Klima herrscht. In den mehr als 20.000 m2 großen Hallen lagern tausende Fahrräder, Komponenten, Sportnahrungsartikel, Klamotten und Ausrüstungsteile. Bei Produkten bis zu einer gewissen Größe vereinfacht ein „AutoStore“-System seit 2017 die Arbeit der Mitarbeiter, die bei der Kommissionierung von Bestellungen bis dato bis zu 15 Kilometer pro Werktag zurücklegten. Bike24 gibt bei einer Bestellung von bestimmten Produkten bis 15 Uhr das Versprechen, noch am gleichen Tag zu versenden. Das ist nur dank des modernen Logistik-Zentrums möglich.

AutoStore

Genormte, sogenannte „Bins“, die in einem Würfel gestapelt sind (ein Würfel enthält dabei über 100.000 Bins), werden durch insgesamt 80 Roboter gesteuert. An Aus- und Eingabe-Ports werden die Bins, die jeweils noch mal in bis zu acht Fächer unterteilt sind, be- und entladen. Die Roboter fahren auf dem Raster einer Rahmenkonstruktion und entnehmen nach den Vorgaben des Lagerverwaltungssystems mit einem Greifer die gewünschten Bins. Bis zu 60 Zentimeter groß und 30 Kilogramm schwer können sie sein. Immer wieder werden sie chaotisch an anderer Stelle abgestellt und nach Schichtende automatisch nach Anfragehäufigkeit umsortiert.
Insgesamt 150 Mitarbeiter arbeiten im Logistikzentrum in zwei Schichten. Sogar Bremsleitungen, Bowdenzüge, Hülsen und andere Meterware wird hier in unendlicher Geduld auf Länge geschnitten; Bowdenzug-Endkappen, Speichennippel und selbst einzelne Schrauben werden sortiert und abgepackt. Es herrscht rege Geschäftigkeit. Zahllose Pakete werden kommissioniert, mit dem markanten Bike24 Logo Tape verschlossen und schlussendlich in alle Welt verschickt.

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Fahrrad Montage

In einem separaten Bereich der riesigen Lagerhalle befindet sich das Reich von Danilo und seinem Montageteam. Im letzten Jahr wurden hier tausende neue Bikes montiert. Eine Herkulesaufgabe offenbar, wenn man den Blick in die Reihen des gewaltigen Lagers wirft, das sich hinter der Werkstatt befindet. Mit überraschend großem Aufwand bereitet hier ein Team von Fahrrad-Mechanikern alle Bikes für den Versand zum Kunden vor. Danilo und Florian plaudern aus dem Nähkästchen und offenbaren für uns überraschende Details.

Kompletträder bei Bike24

Zunächst werden die Räder von den Herstellern angeliefert. Zwischen Oktober und März werden hier Bikes in riesige Regale eingelagert – je nach Vor-Order-Menge bis zu mehrere hundert Stück pro Hersteller, Modell und Größe; mitunter aber auch Einzelstücke. Die Kartons der Hersteller sind für einen Weiterversand nicht geeignet. Vier Mitarbeiter sind daher allein damit beschäftigt, im Rahmen der Vormontage die Bikes auszupacken, das Verpackungsmaterial zu entfernen und für die weitere Montage vorzubereiten, etwa das Anbringen von Lenkern und Laufrädern. Der Versand von Bike24 erfolgt ausschließlich in hauseigenen Kartons, meist in extra großen mit zusätzlichen Verstärkungen, um am Ende das bis auf den gedrehten Lenker und die fehlenden Pedale fertig montierte Bike ausliefern zu können.
An 14 Montage-Stationen, sogenannten „Cubes“ – aufgrund der stetig wachsenden Nachfrage sollen demnächst noch acht weitere hinzukommen – werden hier die aus der Vormontage kommenden Räder in ein bis eineinhalb Stunden für den Versand fertig gemacht, bzw. für die Auslieferung an die beiden Ladengeschäfte in Dresden.
Leider kommen die Räder von den Herstellern hin und wieder in mangelhaftem Zustand. Bis zu 20 % der eingegangenen Bikes haben Schäden durch den Transport oder werksseitige Montagemängel erlitten, die durch die Hersteller behoben werden müssen. Zählt man Defekte an Komponenten wie undichte hydraulische Bremsen oder unrunde Reifen dazu, dann liegt die Regulierungsquote bei beinahe 30 % und beansprucht zwei Mitarbeiter des Teams in Vollzeit. „Das ist wichtig, um die Bikes ohne Probleme an die Kunden weitergeben zu können“, ergänzt Danilo, der sichtlich zufrieden ist mit seinem Team. Dank der sorgfältigen Arbeit hat man nach der hausinternen Endmontage eine Rücklaufquote von unter einem Prozent, wobei die meisten Rücksendungen aufgrund einer falsch bestellten Größe erfolgen. Durch das Vier-Augen-Prinzip und einen sorgfältig in Vormontage, Montage, Endkontrolle und Verpackung aufgeteilten Arbeitsprozess kann man beinahe alle Mängel rechtzeitig identifizieren.

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In der Endmontage werden alle Bikes gründlich durchgecheckt und auf Kundenwünsche angepasst.

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In den Montage-„Cubes“ herrscht rege Betriebsamkeit. Die Maxime ist hier, dem Kunden voraus zu sein und ihm weitestgehend Arbeitsschritte abzunehmen. Um die Verantwortung dem Endkunden gegenüber wahrzunehmen und ihm einen zusätzlichen Gang zum Radhändler zwecks Endmontage zu ersparen, legen sich hier zehn Rad-Mechaniker mächtig ins Zeug. Sie werden regelmäßig geschult und suchen übrigens auch noch Unterstützung! Schaltungen werden hier eingestellt, Bowdenzüge vorgedehnt, Innenlager ausgebaut und gefettet; Laufräder zentriert und abgedrückt. Auch spezielle Kundenwünsche zum Fahrwerks-Set-up werden umgesetzt.
Die einzige Aufgabe des Kunden zu Hause bleibt die Lenkermontage – vier Schrauben mit dem richtigen Drehmoment festziehen – , die farblich markierten Pedale anschrauben und losfahren.
Schließlich werden die Bikes mit größter Sorgfalt von weiteren vier Mitarbeitern für den Versand verpackt. Bemerkenswert ist, dies sei abschließend erwähnt, auch der Durchschnittspreis von über 1.500 EUR pro versendetem Bike Kinderfahrräder ausgenommen.

Mountainbiken in Dresden

Vom Szeneviertel Dresdner Neustadt aus starten die Locals zu Mountainbike-Touren und sind nach wenigen Minuten auf den Trails. Wer es entspannter mag, genießt von den Radwegen im Tal aus den Blick auf die historische Altstadt; auf Villenviertel, vorbeistampfende Dampfschiffe und die Elbwiesen. Ausgedehntere Touren führen in die Nebentäler der Elbe, in die Sächsische Schweiz oder bis nach Meißen. Unweit von Dresden befindet sich außerdem der Bikepark Elstra mit Downhill-, Enduro- und Flowtrail-Strecken. Zum Tour-Abschluss kehrt man schließlich (bei kleinem Hunger) zu Dresdner Eierschecke und Kaffee ein ("Gaffee" ausgesprochen); zum Beispiel in eines der netten Cafés zwischen Schiller- und Körner-Platz – oder (bei großem Hunger) zu Bauernfrühstück, Soljanka und einem lokalen Bierchen in modern-ostalgische, urig-hippe Kneipen wie das „Bautzner Tor“ oder der „Scheune“, wo man die Eindrücke des lebhaften Viertels aufsaugen kann.

Good to know

Das viel zu hart akzentuierte hochdeutsche „Ja“ wird in Dresden zu einem melodisch ausgesprochenen „Nu“. Wenn's doch nicht passt, heißt es „Neee“. Gabiert? (Verstanden?)

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Mit den Test-Bikes gelangt man in 5 Minuten von der Großstadt auf die Trails.

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Die Elbhänge und die Umgebung von Dresden bieten viel Abwechslung für Biker. Die Ausblicke haben schon zahlreiche berühmte Maler inspiriert.

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Action oder gemütlich – in Dresden geht was für Mountainbiker!