Bike & Hike in Montafon

Text Holger Schaarschmidt Bild Stefan Schopf
Geschichten

Unterwegs mit dem E Bike

Markus, unserem gross gewachsenen Guide, plätschern die Anekdoten aus dem Mund wie aus einem der zahlreichen Wasserfälle der Region. Er erzählt von Bike und Hike Touren, Hüttenromantik und „Sura Kees“, einer lokalen Käsespezialität aus Sauermilch, die wir an der Tilisunahütte unbedingt probieren sollten. Wir sind gespannt! Der Plan für den kommenden Tag steht!

Markus Jankowitsch

Bike und Hike – um Missverständnisse zu vermeiden, sollte man wissen, dass wir uns nicht auf eine Tour à la Bike Bergsteiger Harald Philip begeben, sondern unsere Bike Tour mit einer Wanderung pimpen. Bei der Wahl der Schuhe sollte man sich auf diesen Umstand vorbereiten und entweder bereits beim Biken wandertaugliches Schuhwerk tragen oder Wechselschuhe mitnehmen.

Bike

Das freundliche Grinsen scheint Markus ins Gesicht gemeißelt zu sein. Gut gelaunt steigen wir auf unsere E Bikes. Obwohl die Tagestour mit knapp 40 Kilometern und 1.600 Höhenmetern nicht gerade leicht ist, zählt sie zu einer der beliebtesten im Montafon. Von Schruns führt sie zunächst über den Bergfluss Ill nach Tschagguns. Von dort steigt die schmale Straße teils steil über Bitschweil zum Kraftwerk Gampadels an. Es markiert den Eingang in das Gampadelstal, das bis zur Tilisunaalpe führt – die Namenskreationen im Montafon könnten auch einem Tolkien Roman wie Herr der Ringe entsprungen sein ...
Der Tilisunaweg schlängelt sich als Schotterweg in weiten Serpentinen über die Alpe Gampadels. Inzwischen sind wir vollständig in die abgelegene Bergwelt eingetaucht. Das Surren der E Bike Antriebe wird einzig vom Läuten der Kuhglocken der zahllosen Rinder übertönt. Unbeeindruckt von unserer Anwesenheit bleiben sie kreuz und quer auf dem Weg stehen, und so bahnen wir uns langsam den Weg durch die Meute gemächlich wiederkäuender Statisten.
„Nur noch zehn Alpen käsen nach traditioneller Art“, erklärt Markus. Am Stausee Fischkalter befindet sich ihre Materialseilbahn, deren Seile über einen Wasserfall hinweg hinter dem Berg verschwinden. Im Talschluss erblicken wir die Schotterstraße, die sich in weiteren Serpentinen trotzig in die steilen Flanken des Berges schiebt. Nach einem Felstunnel erreichen wir schließlich die Tilisunaalpe, wo die Bikes über Nacht angeschlossen werden. Murmeltiere warnen pfeifend und wirken trotz endsommerlicher Körperfülle noch sehr athletisch auf ihren Kurzsprints zum nächsten schützenden Unterschlupf.

Bike & Hike in Montafon
Bike & Hike in Montafon

Hike

Von der Alpe führt ein rund 45 minütiger Fußmarsch zu unserem Etappenziel; zunächst in einem kurzen, steilen Anstieg zur Hochalpe und dann über eine Hochfläche zur Tilisunahütte. Über den Tilisunasee hinweg bietet sich ein toller Blick ins Tal bis ins Lechquellengebirge. Von Markus erfahren wir, dass es im Rätikon eine geologische Besonderheit gibt: Auf dem dunklen Urgestein liegen hellgraue Sedimentgesteine aus jüngerer Zeit. Daraus resultiert auch die Namensgebung der Berge: Das Schwarzhorn nördlich der Tilisunahütte besteht aus dem Urgestein, die Weißplatte im Süden, an der Grenze zur Schweiz, dagegen aus Kalkstein. In Anbetracht der schier unbegreiflichen Mächte, die für die Formung der Alpen verantwortlich waren und noch immer sind, fühlen wir uns sehr, sehr klein.
Unser Hunger ist dafür mittlerweile sehr, sehr groß, und wir freuen uns auf die warme Hütte und ein deftiges Essen. Letzte Schneereste zeugen von einer kurzen Sommerpause während der vergangenen Tage. Wetterbedingt ist es ruhig auf der Hütte. Markus Jankowitsch, Herr des Hauses, empfängt uns freundlich und bietet uns direkt einen Hausschnaps mit Sura Kees zur Begrüßung an.
Der Schnaps heizt ein, der Käse füllt den Magen – und schmeckt hervorragend!
Bevor Markus die Tilisunahütte übernahm, hielt er schon auf zwei Alpenvereinshütten, der Freiburger und der Konstanzer Hütte, die Zügel in den Händen. Ich kenne ihn schon von meinen regelmäßigen Transalp Touren, und so kommen wir rasch ins Gespräch.

Bike & Hike in Montafon
Bike & Hike in Montafon

Holger Schaarschmidt: Markus, seit wie vielen Jahren bist du nun schon Hüttenwirt?

Markus Jankowitsch: Ich bin seit 22 Jahren Hüttenwirt. Zuvor habe ich zehn Jahre auf der Heilbronner Hütte gearbeitet.

Holger Schaarschmidt: Was macht für dich den Reiz an diesem Beruf aus?

Markus Jankowitsch: Hüttenwirt ist ein besonderer Beruf mit verschiedenen Facetten, der mich täglich immer wieder fordert. Ich bin Gastgeber, Klärwärter, Trinkwasserbeauftragter, Brandschutzwart, Seilbahnwart, Ersthelfer, Psychologe … um nur einige zu nennen. Und natürlich macht die Location selbst den größten Reiz aus: die Lage auf 2.211 Metern, über dem Tilisunasee.

Holger Schaarschmidt: Wie bist du schließlich auf die Tilisunahütte gekommen?

Markus Jankowitsch: Nachdem ich mir 2016 und 2017 eine Auszeit vom Hüttenleben gegönnt hatte, erzählte mir Helmut, mein Vorgänger, dass er Ende der Saison die Hütte verlassen und in den Ruhestand wechseln würde. Tja, nach ein paar schlaflosen Nächten mit Überlegen und vielen Gesprächen haben meine Frau und ich uns für eine Bewerbung entschieden. Und siehe da, es hat – zu unserer großen Freude – geklappt.

Holger Schaarschmidt: Wie sieht der Alltag eines Hüttenwirts aus?

Markus Jankowitsch: In der Hochsaison klingelt um fünf Uhr der Wecker. Dann geht es mit den Vorbereitungen fürs Frühstück los. Sind unsere Gäste aus dem Haus, wird die Technik kontrolliert, Betriebsbücher werden geführt, Lieferanten kontaktiert, Lebensmittel und Getränke mit der Seilbahn transportiert, ehe sich unsere Terrasse mit Tagesgästen füllt. Das Mittagsgeschäft geht dann meistens nahtlos in das Nächtigungsgeschäft über. Um zehn Uhr ist schließlich Hüttenruhe.

Holger Schaarschmidt: Was macht den Besuch auf der Tilisunahütte so reizvoll?

Markus Jankowitsch: Die hochalpine Lage am Fuße der Sulzfluh auf 2.211 Metern. Außerdem der Tilisunasee unterhalb der Hütte, die Aussicht in das Lechquellengebirge und die Verwallgruppe.

Bike & Hike in Montafon
Bike & Hike in Montafon

Holger Schaarschmidt: Welche (Berg-)Tour um die Tilisunahütte ist dein heißer Tipp für E Biker, die Zeit für einen zusätzlichen Abstecher haben?

Markus Jankowitsch: Wer fit genug ist, kann die Sulzfluh in gut zweieinhalb Stunden besteigen.

Holger Schaarschmidt: Woran – abgesehen von Hüttenschlafsack und Wechselklamotten – sollten E Biker denken, wenn sie bei dir übernachten?

Markus Jankowitsch: Dass wir nach wie vor eine Schutzhütte sind und kein Hotel.

Holger Schaarschmidt: Haben sich die Gäste in den vergangenen Jahren irgendwie verändert?

Markus Jankowitsch: Die Ansprüche sind in vielerlei Hinsicht gestiegen. Luxusdenken, Komfortdenken und zum Teil kulinarischer Schnickschnack haben auch bei uns Einzug gehalten.

Holger Schaarschmidt: Wann ist die beste Zeit für einen Besuch bei dir?

Markus Jankowitsch: Von Mitte Juni bis Anfang oder Mitte Oktober, je nach Schnee und Wetterlage.

Holger Schaarschmidt: Was ist deine kulinarische Empfehlung?

Markus Jankowitsch: Natürlich unser Kaiserschmarrn – und die Hüttennudeln mit dem für das Montafon typischen Sura Kees.

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Durch das Gampadelstal geht es immer höher ins Rätikon

Bike & Hike in Montafon

Der Langsee und im Hintergrund der Patteriol

BergePLUS

Gäste, die in Partnerbetrieben des BergePLUS Programms nächtigen, bekommen Rabatt auf täglich wechselnde, geführte Touren für Wanderer, Kletterer und Mountainbiker. Bei unserer Bike und Hike Tour zur Tilisunahütte sind zum Beispiel die Führung durch einen Guide, das Leih E Mountainbike, Mittagessen und Käse Verkostung inkludiert (www.montafon.at/bergeplus).

Bike und Hike Tourentipps

Bike und Hike Tour zur Tilisunahütte mit Besteigung der 2.808 Meter hohen Sulzfluh. Wir haben die Tour mit einem Abstecher in die Schweiz durch den Gemschtobel und über den Grubenpass zurück „gepimpt“.
Tour zum Berggasthof Grabs, kombiniert mit einer Gipfelbesteigung der markanten Tschaggunser Mittagsspitze, die einen tollen 360 Grad Blick ins Montafon bietet.
Ausflug zum malerischen Langsee im hinteren Silbertal – den wir spontan ein zweites Mal in umgekehrter Richtung fuhren und mit einem Besuch der Heilbronner Hütte verbunden haben.

RespekTIERE deine Grenzen und schütze die Natur!

Zum Schutz der Tiere und im Sinne der Mountainbiker, die auch zukünftig das Natura 2000 Gebiet Verwall entdecken möchten, gilt es ein paar simple Regeln zu beachten. Auf der Route von der Heilbronner Hütte über das Silbertaler Winterjöchle nach Silbertal passiert man dieses Europaschutzgebiet. Die Strecke ist nur vom 15. Juni bis zum 15. September von 7 bis 20 Uhr für Biker freigegeben. Außerhalb dieser Zeiten finden regelmäßige Kontrollen statt.

Zur Region

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Montafon

Montafonerstraße 21
6780 Schruns

+43 506686
info@montafon.at
www.montafon.at