mtb Urlaub im Saalachtal

Text Holger Schaarschmidt & Bild Stefan Schopf
Geschichten

Wilde Wasser und Bike and Hike

Bike Guide Chris hatte uns am Vorabend die Highlights seiner Heimat vorgestellt. Damit wir auch einmal ein paar Schmankerl außerhalb des „normalen“ Tourenangebots entdecken, empfahl er uns die anspruchsvolle Tour zum Peitingköpfl, natürlich im Sonnenaufgang.

Die steile Bergstraße ins malerische Heutal hatten wir auf früheren Touren schon kennenglernt. Im Schein unserer Stirnlampen kurbeln wir gähnend und meditativ von Unken zum Hochalm-Wanderparkplatz, übrigens auch Ausgangspunkt einer überregional populären Skitour auf das Sonntagshorn. Der Schotteranstieg überwindet ab hier auf vier Kilometern 420 Höhenmeter und wird mit dem Erreichen der Hochalm etwas gnädiger.

Aus der Bike Urlaub im Salzburger Saalachtal

Bike & Hike

Es ist unglaublich still. Die Blaue Stunde gibt erste Blicke ins Salzburger Saalachtal frei. Wie riesige Festungsmauern scheinen die markanten Gebirgszüge im Hintergrund das friedliche Tal zu beschützen. Die Gnade eines moderaten Anstiegs wird uns nur kurz gewährt. Der breite Almweg verliert sich als kaum erkennbarer Pfad im steilen Wiesenhang. Weiter oben erkennen wir das Sonntagshorn, etwas südlich davon das Peitingköpfl, versteckt in den geduckten Latschensträuchern. Die in der Dämmerung leicht auflebende kühle Luft streicht über das Gesicht und wir atmen vor den letzten Höhenmeter nochmals tief durch. Schafe! Diesen Geruch kann man ganz klar deuten. Auch diese Frühaufsteher scheinen der Bergromantik verfallen zu sein. Gerade als wir die Bikes auf die Schultern nehmen, sieht man die kleine, muntere Herde zum Ziel unseres morgendlichen Abenteuers eilen. Falls die Woll-Gang tatsächlich jeden Morgen dieses Szenario erleben darf, dann gilt ihnen mein aufrichtiger Neid. Am Gipfelkreuz bietet sich ein traumhafter Blick ins Salzburger Saalachtal, ins Berchtesgadener Land im Norden, auf die schroffen Kalksteingebilde des Steinernen Meers, der Loferer und Leoganger Steinberge im Süden und zur markanten Silhouette des Watzmann im Osten. Die Sonne steigt unaufhaltsam über die Höhenzüge. Wir schauen uns um und erkennen… keinen so recht fahrbaren Weg.

Der Trail von der Perchthöhe zur Oberen Hölzalm bleibt den fahrtechnisch versiertesten Mountainbikern vorbehalten, den imposanten Ausblick vom Peitingköpfl dagegen kann jeder genießen, der mit Bike oder E-Bike bis zur Hochalm kurbelt und die letzten Meter zu Fuß bezwingt

Hat man die Anstiege zu den Almenwelten des Salzburger Saalachtals überwunden, bieten sich beeindruckende Ausblicke wie hier auf der Kallbrunnalm, sowie zu den Leoganger und Loferer Steinbergen, das Steinerne Meer und den Gletschern des Kitzsteinhorns. Urige Hütten laden zur Einkehr ein.

Wetterkreuz-Trail

Vom Gipfelkreuz queren wir, mal schiebend, mal fahrend, zur Perchthöhe, an der mit einer aus Feldsteinen aufgesetzten Steinmauer der Übergang zur Oberen Hölzlalm markiert wird. Der Euphorie über den flowigen Trail direkt hinterm Pass folgen immer wieder kurze Tragepassagen durch den steilen, vom schroffen Karstuntergrund geformten Wiesenabhang. All unsere fahrtechnischen Fähigkeiten sind gefordert. Ein kurzer Schotterweg und schon zweigt der Pfad ab, auf eine Koppel mit stattlichen, friedlich äsenden Pferden. Die tief stehende Sonne strahlt uns vom Wetterkreuz her entgegen und taucht das noch verschlafene Salzburger Saalachtal, seine Dörfer und Kirchturmspitzen, in ein magisches Licht. Der Trail wird nun fahrbarer, einen geschulten Blick für die optimale Linie und fahrtechnisches Geschick vorausgesetzt. Der Ausblick in die weit unten liegende Schlucht ist sagenhaft!

Der Wetterkreuztrail und die Gipfeltour zum Peitingköpfl

An der Unteren Hölzlalm angekommen, resümieren wir: Es sind zwei eigenständige und packende Touren, die noch vor dem Frühstück im Sonnenaufgang den größten Reiz haben. Dem Wetterkreuz-Trail über die Obere Hölzlalm sollten sich erfahrene Enduristen stellen, während die Gipfeltour zum Peitingköpfl oder Sonntagshorn eine heiße Empfehlung für jedermann ist. Dann jedoch mit dem E-Bike bis zur Hochalm gekurbelt und zu Fuß bis auf den Gipfel. Auf dem Rückweg unbedingt in der urigen Jausenstation einkehren und schließlich entspannt zurück ins Tal cruisen!

Bike & Hike ist angesagt.

Sonnenaufgang am Gipfel des Peitingköpfl - unvergleichlich magisch!

"Tiefe Klammen, schroffe Kalksteinmassive und sanfte Almgebiete prägen die Region und bieten vor allem Genussbikern, Familien aber auch ambitionierte Tourenbikern perfekte Bedingungen!"

Bike und Genuss

Tiefe Klammen, schroffe Kalksteinmassive und sanfte Almgebiete prägen die Region und bieten auf über 480 Kilometern und 33 beschilderten Mountainbikerouten vor allem Genussbikern, Familien aber auch ambitionierten Tourenbikern perfekte Bedingungen ohne zu überfordern. Urige Hütten und gastfreundliche Wirtsleute machen die Anstiege zu malerischen Almen und imposanten Panoramablicken zu fantastischen Zielen. E-Bikes aus zahlreichen Verleih-Stationen sorgen für ordentlich Rückenwind bergauf, um die Highlights auch mit allen Sinnen genießen zu können.

Kallbrunnalm

Dem Lauf der Saalach flussaufwärts folgend, findet man in einem der zahlreichen versteckten Seitentäler, zumeist steile Klammen, ein Kleinod, das beispielhaft für die Almenwelt im Salzburger Saalachtal ist. Ganz nebenbei: Merkt euch auf dem Weg schon mal die besten Badeplätze in den kühlen Fluten der Saalach für den Rückweg. Eine Handvoll Routenoptionen führt zum Grenzübergang am Hirschbichl, dem Tor zum Nationalpark Berchtesgadener Land. Empfehlenswert für ambitionierte Biker ist die Route über das malerische Wildental Richtung Litzlalm oder die Hundsfußalm. Mögt ihr es entspannter, dann kurbelt dem Tauernradweg folgend bis Weißbach und nehmt die schmale und zuweilen steile Bergstraße nach Hintertal durch die enge Schlucht. Bevor man den Gasthof Hirschbichl erreicht, zweigt eine Schotterstraße rechts zur Jagdhütte Falleck ab. Der Höhenweg entpuppt sich nach nur wenigen hundert Metern als herrliche Panoramaroute mit Aussicht auf die Leoganger Steinberge. Nach einer kurzen Abfahrt beginnt der finale Uphill zur Kallbrunnalm. Sobald man die freie Fläche der Hochalm erreicht, bietet sich ein Wahnsinnsblick aufs Steinerne Meer und sobald man die ersten urigen Almhütten erspäht, tauchen im Hintergrund die vereisten Flanken des Kitzsteinhorns auf. Inmitten wild angeordneter, uriger und wettergegerbter Hütten befindet sich die Jausenstation Kallbrunnalm. Um die mittlerweile knurrenden Mägen zu beruhigen, bietet Hüttenwirt Peter neben deftigen Almspezialitäten, wie den hier hergestellten Käse, leckere selbst gemachte Kuchen und regionale Biere aus seiner Heimat Bayern an. Entspannt, genießt und freut euch, dass der Rückweg (fast) nur noch bergab geht.