E Bike Touren in Ischgl

Text Holger Schaarschmidt & Bild Stefan Schopf
Geschichten

Einsamkeit nicht weit vom Trubel

Ischgl: Innbegriff für Wintersport, hunderte Kilometer schneesichere Pisten, international bekannte Events und reichlich Party. Im Sommer zeigt es sich von einer ganz anderen – seiner ruhigen – Seite. Genau dieser Kontrast macht die Ausnahmeregion Paznaun-Ischgl so einzigartig. Die Ferienregion beschränkt sich dabei nicht ausschließlich auf die Gemeinde Ischgl, sondern repräsentiert die 40 Kilometer lange Talschaft mit See, Kappl, Ischgl und Galtür. Tief ist das Tal der Trisanna eingeschnitten zwischen den imposanten Gebirgszügen des Verwall im Norden und der Silvretta- und der Samnaungruppe im Süden. Mit 3.399 Metern ragt das Fluchthorn als höchster Berg aus der Silvretta heraus und kann sowohl über das Jamtal bei Galtür als auch das Fimbatal bei Ischgl bestiegen werden. Wer seine Urlaubsziele nicht ganz so hoch gesteckt hat, sollte das Paznaun mit dem E-Bike entdecken. In kaum einer anderen Region der Alpen kommt man dem Himmel dabei so nah wie hier!

Übrigens: Die „Silvretta Card all inclusive“ ist wohl der wichtigste Urlaubsbegleiter. Denn damit sind alle Lifte, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und der Eintritt zu Bädern und Museen, die Silvretta-Hochalpenstraße und vieles mehr ab der ersten Übernachtung kostenfrei; auch schon am Anreisetag!

Aus der Bike Region Paznaun Ischgl

E-Bike Tour zur Gamperthunalpe

Es ist noch früher Morgen, als wir Marc treffen. Seit mehr als zehn Jahren kümmert er sich um das Wohlergehen der Mountainbiker und Radler im Paznaun, sei es in Sachen Wegpflege, Beschilderung oder durch die Organisation von Events wie dem legendären Ischgl Ironbike Festival. Sein Engagement und die Hände vieler leidenschaftlicher Mountainbiker der Region tragen dazu bei, dass das Wegenetz für Biker und E-Biker erhalten und weiter ausgebaut wird, neue Trails entstehen und vor allem der stetig wachsenden Gruppe der E-Biker attraktive Ziele und spannende Pfade erlebbar gemacht werden. Marc führt uns an diesem Morgen zu einem Kleinod des Paznaun. Die Abgeschiedenheit der auf über 2.000 Meter liegenden Gamperthunalpe sei beispielhaft für einige der Paznauner Hochalmen, meint unser Guide. Gesäumt von wild rauschenden Gebirgsbächen, Wasserfällen und mit einem herrlichen Blick auf die Südseite der steilen Talflanke windet sich die Schotterstraße von See über die Baumgrenze in das abgelegene Seitental. Wir sind froh über die Unterstützung, die unsere E-Bikes bieten und können uns voll und ganz auf die landschaftlichen Eindrücke und Marcs Ausführungen konzentrieren. Auf der baumlosen, offenen Hochfläche bietet sich ein unbeschreiblicher Blick auf die Gipfel des Verwall wie den Hohen Riffler (3.186 m) und die steil abfallende Pezinerspitze (2.550 m). Unüberhörbar machen einige Murmeltiere auf sich aufmerksam, bevor sie mit durchdrehenden Hinterläufen über die Almwiesen wetzen. Kühe liegen und stehen herum und grasen friedlich, scheinbar unbeeindruckt vom Getümmel und der landschaftlichen Schönheit. Die kleine Kapelle auf der Alpe lädt zum Verweilen ein. Wie wir von Marc erfahren, befinden sich im Paznaun 60 Kapellen, die einst aufgrund der großen Entfernungen von den einzelnen Weilern zu den Pfarrkirchen errichtet wurden. Der Ort Kappl verdankt dieser Gegebenheit seinen Namen.

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Im kleinen See der Friedrichshafener Hütte auf 2.138 Meter schwimmen sogar Forellen.

Auf der baumlosen, offenen Hochfläche der Gamperthunalpe bietet sich ein unbeschreiblicher Blick auf die Gipfel des Verwall, wie den Hohen Riffler (3.186m) und die steil abfallende Penzinerspitze (2.500m).

Gamperthunalpe

Mit dem Rücken im weichen Gras und dem Blick in den Himmel fühlen wir uns unendlich. Doch schon bald knurrt der Magen. Auf der Gamperthunalpe können wir unseren Hunger mit frisch gebackenem Brot und leckerem, selbsthergestelltem Paznauner Almkäse stillen. Zum perfekten Abschluss unserer Almtour empfiehlt der Hüttenwirt einen Abstecher zum nahegelegenen Grübelesee, in dessen glasklarem Wasser sich das imposante Bergpanorama widerspiegelt.

Talk and Views.

Ein weiteres Kleinod des Pauzaun ist die Seßladalpe bei Kappl. Bergpanorama, leckerer, selbst hergestellter Käse und besonders der Dias-Trail zurück ins Tal machen diese Tpur zum Highlight

Von Galtür zum Piz Buin

Folgt man dem Paznauner Talweg – ganz nebenbei ein lohnenswerter Ausflugstipp, wenn es mal nicht hoch hinaus gehen soll – spürt man, wie sich die Umgebung allmählich verändert. Die umschließenden Berggiganten lassen der nun breiteren Talsohle mehr Raum für ausgedehnte, duftende Wiesen und kleine Weiler. Malerisch am Fuße der wie eine Pyramide aus dem Talgrund aufragenden Gorfenspitze gelegen, markiert die kleine Gemeinde Galtür den Talschluss des Paznaun: Im Nordwesten gelangt man – dies sei als weiterer Tourentipp erwähnt – zum Kops-Stausee und schließlich zur Heilbronner Hütte, welche mit ihrer traumhaften Lage direkt am Übergang ins Verwall ein tolles Ausflugsziel darstellt. Heute schlagen wir jedoch die Route zur Bielerhöhe und dem Silvretta-Stausee ein. Unser Ziel ist die Wiesbadener Hütte. Parallel zur Silvretta-Hochalpenstraße verläuft der Radweg zunächst bis zur Staumauer des Silvretta-Stausees, die zugleich die Grenze zum benachbarten Bundesland Vorarlberg bildet. Bereits hier bietet sich ein faszinierender Blick auf von Eis und Schnee bedeckte Gipfel. Dem Ufer des Sees folgend öffnet sich dieser noch weiter und gibt ein sagenhaftes Panorama auf die Gletscherfelder von Silvrettahorn und schließlich dem markanten Piz Buin frei. Zahllose Alpinisten zieht der imposante Gipfel ungebrochen in seinen Bann. 900 Höhenmeter und 18 Kilometer haben wir in den Beinen, als wir die imposant gelegene Wiesbadener Hütte erreichen – eine perfekte Halbtagestour oder entspannte E-Bike Runde mit anschließender uriger Einkehr. Die Paznauner Kaspressknödel kann ich übrigens wärmstens empfehlen.